»Schluss mit Bild 2«

13. August 2006

 

Das Skandalblatt »Bild« hat erneut zum netzweiten Kreativ-Wettbewerb* aufgerufen. Diesmal: »Gestalte dein Anti-Poster!«

Erneut wählt sie das Mittel gezielter Provokation. Hier einige Reaktionen:

1. Zurück zur Korrektur, 2. Gerhard Henschel,taz, 3. Günter Wallraff

Scherz beiseite, was haben wir von der zweiten Provokations-Kampagne der Bild zu halten?

Der typische Bild-Leser wird erneut nur indirekt erreicht: Indem er nämlich mitbekommt, dass sich der typische Nicht-Bildleser mal wieder mächtig über das Blatt echauviert. Die eigentlichen Adressaten der Kampagne sind all jene, die das Dargebotene als anmaßende Provokation empfinden.

»Die Bild-Zeitung deckt auf. Unerschrocken und aufrecht wie Ghandi, Martin Luther King und Galileo Galilei.« ist nicht die einzige, aber eine naheliegende Interpretation der Plakate an großstädtischen Buswartehäuschen.

Und wozu? – Wenn es keine Skandale gibt, inszeniert man eben selbst einen. Aber es steckt mehr dahinter.

Die Konstrukteure der Bild-Zeitung haben ein Ethos etabliert: die »Wahrheit der Straße«, die des »kleinen Mannes«. Danach hält er allein das gesellschaftliche Räderwerk am Laufen. Nicht die Intellektuellen, die aus Prinzip über alles pikiert und in unverständlichen Worten die Nase rümpfen. Und die vor allen Dingen nichts verändern, die »immer nur reden«, während der Markt die nächste verheerende Kampfrunde einläutet und »Taten« gefragt sind. Bild ist Gosse, aber die Gosse entspricht am ehesten dem hier vorgeschlagenen Modell der Realität und also kann sich Bild als »ehrlicher« denn »intellektuelle« Zeitungen verkaufen.
Auf der Grundlage dieses Ethos wird die aktuelle Kampagne verständlicher. Bild provoziert ihre Kritiker und reizt sie zu Protestäußerungen. Die wiederum, so die Prognose, stoßen auf Unverständnis und Ablehnung bei den Bild-Lesern. Das soziale Konstrukt, welches eine Trennung zwischen Arbeitern und Intellektuellen herbeiredet, wird verstärkt.
»Bild« fährt wie gesagt nun bereits die zweite Kampagne dieser Art, wir erinnern uns widerstrebend an »Weg mit Bild« der Hamburger Agentur Jung von Matt. Als auflagenstärkste Tageszeitung (jeder 7 Deutsche ließt Bild) trägt sie aktiv zur Rückkehr der Klassengesellschaft in den Köpfen bei. Längst ist die Bezeichnung Bild-Leser zum häufig gebrauchten Schimpfwort in linken Kreisen geworden. Im Netz finden sich bereits Stimmen, die den Pranger auch für Bild-Leser, und nicht mehr nur für die Herausgeber, wünschen. Ein bewußt unterstützter Rückfall in überwunden geglaubte Denkweisen. Allerdings ist mehr als fraglich, ob diese Grenzüberschreitung den erhofften Profit generieren wird. Derzeit sind die Verkaufszahlen der Bild-Zeitung rückläufig.

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* Zitat: »Dank Christian von jawl.net gibt es jetzt zwei Vorlagen für die Bild Kampagne
http://www.jawl.net/downloads/bild-vorlage.psd
http://www.jawl.net/downloads/bild-vorlage.jpg

Es wäre nett, wenn man die Vorlagen auch in anderen Blogs verbreiten würde. Bisher sind in drei Tagen schon 61 65 Variationen eingetroffen. Mal sehen, wieviel noch zusammen kommen. Danke an alle, die mitmachen.«

3 Responses to “»Schluss mit Bild 2«”

  1. winfried Says:

    Da freue ich mich aber wenn ich wieder eine Spur finde in der die „Werbung“ auf eine spezielle art und weise verarbeitet wird!
    Ich schrieb dazu in meinem Buch näheres!
    Aber leider ist es nicht nur die Bildzeitung sondern fast alle Medienorgane mal etwas mehr oder weniger die es betrifft!

    Ich benenne diese manipulative art auch gerne als Medienhuren!

    http://www.freigeldpraktiker.de/weltenaufgang/blog/

  2. winfried Says:

    Ach was ich der alten Regel „Lass nicht zu, dass die Emotionen von dir Besitz ergreifen.“ noch hinzufügen wollte:

    Lass nie zu das die Emotionen von deinem Verstand in Besitz genommen werden!


  3. Das mit den Emotionen habe ich mittlerweile rausgenommen. Zur Erklärung: Ich habe die Empfehlung gegeben, nicht unüberlegt und zotig auf die Bild-Provokation zu reagieren. TM


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