29. September 2006

Du hast gelebt, mein Freund. Wäre es nur möglich, dass du allen Menschen um die Beine gegangen wärst und sie verzaubert hättest mit deinem großen Vertrauen und deiner eleganten Schönheit. Jeder wüsste dann, von wem hier die Rede ist.
Ich habe dich allein im Garten begraben dürfen. Genug Zeit, um den schwarzen Teich der Trauer anzurühren und um Abschied zu nehmen. Eben dies habe ich von dir gelernt und danke dir dafür.
Angehörige werden in einer steifen Zeremonie beerdigt. Die Trauer wird kanalisiert, gemildert, verwaschen im gesellschaftlichen Ritual. Ablenkung durch Etikette.
Ich habe dich allein im Garten begraben dürfen. Tiefer als 80 Zentimeter, um die deutsche Vorschrift nicht einzuhalten.
Wir waren verwandt. Meine Fantasie konnte sich ein gemeinsames Leben vorstellen, wie du es dir gewünscht hättest: Jagdgefährten in einem weiten Land. Ich bin alle Wege mit dir gegangen, hatte die Sprache abgelegt. Wir waren verbrüdert in einem geschichtslosen Fluss endloser Abenteuer – bis zum gleichzeitigen Tod. Eine Lebensfeier.
Wir werden uns im Traum begegnen.
Du bist jung gestorben. Wie du ist in der gleichen Nacht und auf derselben Straße innerhalb einer 30er Zone ein halbwüchsiger Igel überfahren worden.