»Kein Grund, den Badebetrieb einzustellen, es gibt keine Weißen Hai.«

Man kette ein schmutziges Alltagsdetail des Krieges in Afghanistan an den Medienpranger und überziehe es kollektiv mit Schimpf und Schande.
Ein Sat1-Sprecher kommentiert im Vorabendprogramm: »In der Realität des Krieges spielt Moral offenbar keine allzu große Rolle.« (Zitat sinngemäß). Eine verblüffende Einsicht!
Nein, mit Spott wird man dem Mediengeschehen nicht gerecht. Diese Demonstration hat Methode. Es handelt sich um ein Ritual.

Gewünscht ist die Rettung der Mainstream-Kultur, der diversen Musikantenstadelkollektive, die Stärkung des Glaubens an die belanglosen Dudelsender im Radio. Nur, wer auf diese Dinge hereinfällt, glaubt auch an den sauberen Krieg, an die feinen Soldaten und daran, dass derartige Vergehen am Totenschädel die Ausnahme von der Regel sind. Eine Sau wird durch’s Dorf getrieben und muss als Sündenbock bluten. Es ist die moderne Version des Opferrituals, ohne das die sich überschlagende mediale Gesellschaft offenbar nicht mehr funktioniert.
Vergessen sind die eindringlichen Antikriegsfilme, nicht gesehen wird der Gehalt der Nachrichten, vergessen sogar die Reality-Show, die noch fünf Minuten zuvor die alltäglich gewordene Gewalt in drastischen Szenen vor Augen führte. Skandalös ist, wenn WIR es sagen.

Der zitierte Schluss-Satz des Sat1-Sprechers bedient ein Standardverfahren: Glättung der zuvor aufgebauten Wogen der Empörung. Gesagt wird immer nur das eine: »Die Lage ist unter Kontrolle. Was geschehen ist, ist bedauerlich, aber es ist geschehen und wir arbeiten daran. Empört euch, lasst die Hotlines heiß laufen, lasst eurer Verbitterung freien Lauf – und dann ist wieder gut. WIR haben die Lage unter Kontrolle.«

Damit konstruiert der einstimmige Medienkanon, in welchen ‘unsere’ Politpromis mit Empörungs-Statements nach kurzer Lageeinschätzung einstimmen

a) dass es sich hierbei um eine Ungeheuerlichkeit handelt (aha!)
b) dass aber alles unter Kontrolle ist und die Normalität nach Aufklärung des Sachverhaltes wieder einkehren wird (Erleichterung!).

Da werden Psychologen über den Geisteszustand der Soldaten befragt, Insider interviewt, und – hier geht es in die richtige Richtung – authentische Bilder aus Afghanistan gezeigt, die uns den Alltag der stationierten Soldaten näher bringen sollen. Die heile Welt muss gekittet werden. Alles wohl moduliert, feingetuned, berechnet.

Der wirkliche Skandal aber ist, dass die Schändung der Leichenteile durch deutsche Soldaten in Afghanistan aus dem gleichen Stoff gemacht sind und auf dem gleichen Nährboden gewachsen, wie die Symptome der Barbarei, die hundertfach unkommentiert täglich in Deutschland passieren. Ereignisse, die die Realität bilden und welche keine Ausnahmen darstellen.

2 Responses to “Kommentar zum Schändungs-Skandal”

  1. Robert Neuner Says:

    Hallo Torsten,

    vielen Dank für Deinen Beitrag zum Thema Krieg in Afganistan. Beginnt der Skandal eigentlich nicht damit das die KSK in Afganistan ist und Dinge tut, zu der sie keinen Auftrag hat. Das reguläre Bundeswehrkontingent hilft und ist für die Sicherheit im Norden zuständig. Aber gibt es einen parlamentarischen Beschluss für das KSK??????

    VG RN


  2. Es gibt keinen moralischen Krieg und deshalb ist dies auch kein Skandal sondern die pure Angst im echten Krieg zu sein!
    Medien die so etwas bringen wollen Tote sehen!


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