Der Skandal als Produkt. Nachtrag.
27. Oktober 2006
Angesichts des Bundeswehr-Skandals wird offenbar, dass sich kaum einer in diesem Land der Tatsache bewusst ist, dass die Verrohung bereits fest etablierter Bestandteil dieser Gesellschaft ist. Eine verrohte Gesellschaft fragt sich allen Ernstes, wie es in einem ihrer Organe – und nicht mehr nur am kulturellen Rand und in den verarmten Teilen – zur Verrohung kommen konnte.
Ein Blick in den Schulalltag, den beruflichen Alltag, in’s TV-Unterhaltungsprogramm macht das Ausmaß der Barbarei fühlbar. Allerdings erst dann, wenn man sich bei der Interpretation eines alternativen Codes bedient. Klar, was gemeint ist?
Die abgedroschene Phrase »Krebsschaden« drängt sich einmal mehr auf, wobei diese Form etwas abgeschlossenes suggeriert. »Fortgeschrittenes Krebsleiden« passt einfach besser.
Die Flexibilität der kollektive Verdrängung scheint keine Grenzen zu kennen. Ebenso total wie die Fähigkeit des Massenmenschen, sich im Denken einzuschränken: Schema Gammelfleisch-Skandal findet seine massenwirksame Fortsetzung im Schema Totenschändungs-Skandal. Der reale Gehalt eines Geschehens verschwindet hinter medialer Verpackung. Insofern lässt sich sagen: »Nachrichten war gestern.« Heute präsentieren die Medienkünstler der Zuschauergemeinde ihr »neues Informationsprodukt«.
Freilich steckt im Schändungs-Skandal ein reales Geschehen, das nie vollständig im Informations-Produkt aufgehen kann. Deshalb ist ein Generalzweifel an der Nachrichtenindustrie auch unangebracht. Aber: Die Rezeption ist steuerbar und wird gesteuert. Es geht nicht darum, dass die Bild Zeitung (hier stellvertretend angeführt) Falschmeldungen verbreitet, sondern darum, dass sie die Information, wie eine Nachricht aufzufassen, einzusortieren und zu bewerten sei, über die »Verpackung« mittransportiert. Weiter: Es geht darum, dass diese »Verpackung« wichtiger ist, als der Inhalt. »Das Medium ist die Botschaft.«
Wie begegnet die freie Gesellschaft der Vereinheitlichung, der Vermassung, der Indifferenz und der damit eng verknüpften Verrohung?
Eine Radikalkur (Zensur) scheint genau so wenig praktikabel, wie ein naives Vertrauen in die angebohrenen Vernunftkräfte der Gesellschaft. Die »eigenwilligen Querdenker« müssen nach Schnittmengen suchen, die sie mit anderen ‘ihrer Art’ verbinden. Was ihnen geblieben ist, ist das Denken in Kategorien einer »Kultur von unten«. Von der ganz eigenen Schau der Dinge über den Seitenblick auf das großenteils lächerliche Theater des Mainstream hin zum Erkennen des realen sozialen Gefüges der Gesellschaft, hin zur realistischen Selbsterkenntnis und hin zum ungefilterten Erkennen des Nächsten.
Selbstaufklärung und Aufklärung der Mitmenschen, um dem unvermeidlichen Schwarzen Loch der Vereinheitlichung etwas entgegen zu setzen.
29. Oktober 2006 at 8:20
Es gibt keinen Skandal weil dieses Verhalten und Schlimmeres zu jedem Krieg gehört.
Wer Kriege will soll die Verbrechen mit offenen Augen akzeptieren können den Kriege können nicht Moralisch sein! Nur die kriegsfernen Moralschwätezer, die Initiatoren, können sich darüber entrüsten!
5. November 2006 at 12:24
Bundeswehr Skandal – Verteidigungsminister Jung tritt zurück!
Na endlich uebernimmt mal jemand die Verantwortung fuer die skandaloesen Zustaende bei der Bundeswehr!!
Bundeswehr Skandal – Verteidigungsminister Jung tritt zurück!