Descartes postuliert eine Maschinenhaftigkeit für die Tiere und eine göttliche Beseeltheit für den Menschen. Seither bröckelt diese Grenze zwischen Mensch und Tier, oder besser: zwischen menschlichem und nicht menschlichem Leben. Auf der anderen Seite steht die Gesamtheit /des/ Lebens: die Opposition von unbelebter vs. belebter Natur.
Denn: Noch immer halten wir es für zulässig, über das Lebewesen Tier zu verfügen und über sein Leben zu entscheiden. Die zugrunde liegende Frage zur Klärung der Gerechtigkeitsfrage in Bezug auf unseren Umgang mit dem Tier lautet: Was ist Leben? Und inwieweit sind Lebewesen Teil eines Ganzen und ist dieses Ganze prinzipiell unterschieden von allem Unbelebten?

Es leuchtet wohl ein, dass eine ausschließlich nach mechanischen Gesetzen ablaufende Entwicklung keinen höheren Status verdient, als der, den wir unbelebter Materie – und sei ihr Organisationsgrad noch so hoch, ihre Struktur noch so komplex – zusprechen. Wenn wir also als Zoologen auf die Tiere blicken, sehen wir komplexe Maschinen, denn wir sprechen Ihnen keinen Geist und noch weniger eine metaphysische Beseeltheit zu. Aber wir leiden unter der Konsequenz dieser Annahme: Dass wir Menschen selbst nurmehr komplex organisierte Maschinen sind, deren Intuitionen »Wille«, »Geist«, »Seele« nicht mehr als Illusionen sind. Damit ist ein schwerer Sinnverlust verbunden, was widerum die Basis für große humane zivilisatorische Leistungen und sogar den intellektuell gespeisten Lebenswillen selbst untergräbt.

Stellen wir uns aber als Oppositionelle auf die Seite der Intuitionen und verneinen wir das streng wissenschaftliche Weltbild methodisch, so lautet die Konsequenz: Wir haben nicht das Recht, dem Tier die uns selbst zugeschriebenen Eigenschaften abzusprechen. Der Pflanze dürfen wir danach eher einen Willen unterstellen, als ihr diesen abzusprechen. Ihr Wachstum hin zum Licht wäre danach eine motivierte Leistung, die von ihrem »lebendigen Zentrum« ausgeht, eine konzentrische Kraft, und damit mehr, als ein blindes Reagieren auf Umwelteinflüsse.

Seien wir genau und wenden wir die Innen- und die Außenperspektive nicht nur auf die eigene Lebenswelt an, sondern auf alle Lebewesen.
Jedes Lebewesen hat ein Zentrum. Dieser Umstand qualifiziert es als wert, mit doppelter Perspektive angeschaut zu werden.
Die Konsequenz aus diesen Überlegungen ist, dass aus der einseitig wissenschaftlichen, eine spirituell-wissenschaftliche Kultur erwachsen muss, in der es dem handelnden Subjekt nicht länger möglich ist, die ethischen Konsequenzen seines Handelns mit dem Hinweis auf die prinzipielle Legitimität wissenschaftlich exakten Handelns zu ignorieren.
Arbeiten wir darauf hin, denn wärend die Wissenschaft jetzt eher lebensfeindlich ist, wird sie dann eher dem uns kostbaren Leben dienlich sein.

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