Details aus meiner akademischen Arbeit. Der Stil ist dementsprechend ausgefallen.
Meine akademischen Abschlussarbeit trägt den Titel:
»Helmuth Plessners Philosophie des Organischen im Hinblick auf das Selbstbild des Menschen«
Die Arbeit fragt nach dem aktuellen Bild des Menschen im westlichen Denken anhand des Leitfadens der Philosophie des Organischen von Helmuth Plessner. Dabei handelt es sich um eine acht Jahrzehnte zurückliegende philosophische Bestrebung, die, wie sich zeigen lässt, befruchtende Impulse in aktuelle Debatten und Theorien im Umkreis des Komplexes homo / humanitas einbringen kann. Plessners Werk »Die Stufen des Organischen und der Mensch. Einführung in die philosophische Anthropologie« (1928) fragt danach, was das organische Lebewesen Mensch sei. Sie tut dies in methodischer Absicht. Zur Beantwortung der Frage wird zunächst das organische Leben, beginnend beim Einzeller, hinführend zum Menschen, untersucht. Das Ergebnis ist dabei nicht das Endziel der Untersuchung Plessners, sondern Ausgangspunkt und Grundlage der philosophischen Anthropologie, welche der Autor als eine Hermeneutik entwirft und zum Fundament der Geisteswissenschaften erheben möchte.
Plessner fand die Notwendigkeit dazu in der Ideengeschichte, die bereits zu seiner Zeit an einem Punkt angelangt war, an dem die Naturwissenschaften eine Leitfunktion übernommen hatten. »Philosophische Anthropologie« ist der Name eines interdisziplinären Programms im Dienste der Geisteswissenschaften (als einer Wissenschaft mit fundierter Deutungskompetenz). Die »Philosophie des Organischen« ist dieses Programmes Kern.
Im ersten Teil meiner Arbeit wird davon gehandelt, wie es zur Trennung in Geistes- und Naturwissenschaften kam. Es wird gehandelt von dem von Plessner so bezeichneten »cartesianische Alternativprinzip«. Es wird sich zeigen, dass Plessner mit seiner Analyse den Schlüssel zum Verständnis der Unvereinbarkeit von Geistes- und Naturwissenschaften gefunden hat – und damit den Schlüssel zur Überwindung dieses Dualismus. Um die Herausforderungen an ein ganzheitliches Menschenbild geht es im weiteren Verlauf. Die Arbeit stellt kurz die für Plessners Philosophie relevante Lebensphilosophie und die Phänomenologie, welche er als »hermeneutische Deskriptionsmethode« einsetzt, vor.
Die »Philosophie des Organischen« gipfelt im Begriff der »exzentrischen Positionalität« und mündet in drei daraus ableitbaren »anthropologischen Grundgesetzen«. Im Anschluss wird zum Thema »Philosophische Anthropologie« übergeleitet. Diese ist fundiert durch die Philosophie des Organischen, welche somit die Funktion eines Bindeglieds übernimmt. In einem pluralistischen Dialog mit den Wissenschaften soll es in Zukunft darauf ankommen, diese Gesetze der belebten Materie in allen tangierenden Wissenschaftszweigen durchzuhalten. Diese Gesetze sind unvereinbar mit einem streng empirischen Weltmodell. Eine der zahlreichen daran anknüpfbaren Anwendungen findet die Arbeit abschließend in einer Auseinandersetzung mit dem Begriff der »Lebendigkeit« im Zusammenhang mit der Erforschung künstlicher Intelligenz. Es zeigt sich, dass die offenbar unreflektiert vollzogene Annäherung der Begriffe »Intelligenz« und »Lebendigkeit« unzulässig ist.
Die Arbeit wurde publiziert im digitalen Archiv der Universitätsbibliothek am 3. August 2005 und kann von dort heruntergeladen werden.